Verwendung
Quivira kann zu jedem Zweck frei verwendet werden, auch kommerziell. Sie können Quivira kopieren und weitergeben, aber bitte ohne Veränderungen und ohne zu behaupten, selbst der Autor zu sein. Falls Sie Quivira weitergeben, ist es nicht nötig, eine Extra-Datei mit Namens- oder Quellenangabe hinzuzufügen, da diese Informationen in der TTF-Datei selbst enthalten sind. Ich wäre allerdings sehr dankbar für einen Link, sofern dieser sinnvoll gesetzt werden kann.
Es gibt Verwendungszwecke, für die Quivira eventuell nicht die beste Wahl ist:
- Verwenden Sie Quivira nicht auf Websites. Ich erlaube es zwar, aber bedenken Sie, daß die meisten Besucher Quivira auf ihren Rechnern nicht installiert haben und daß ihre Browser die Schriftart deshalb nicht benutzen werden, auch wenn Sie dies explizit angeben. Es gibt derzeit keine gut funktionierende Möglichkeit, Schriftarten in Websites einzubetten, wie man z.B. Bilder einbetten kann.
- Verwenden Sie Quivira nicht für Schriften, die komplexes Rendering erfordern, auch wenn die erforderlichen Zeichen enthalten sind, ohne das Ergebnis ausgiebig zu testen. Manche kombinierenden Zeichen werden korrekt dargestellt, aber generell ist dies eher nicht zu erwarten (siehe Kombinierende Zeichen).
- Wenn Sie so viele Unicode-Blöcke wie möglich abdecken wollen, empfiehlt sich eine umfangreichere Schriftart oder noch besser mehrere Schiftarten. Code2000 ist die umfangreichste verfügbare Unicode-Schrftart, und Everson Mono ist eine sehr schöne Unicode-Schriftart mit fester Zeichenbreite. (Beachten Sie aber, daß diese beiden Schriftarten keine Freeware sind!)
- Quivira ist nicht unbedingt die erste Wahl für jede Sprache. Verschiedene Sprachen haben oft unterschiedliche typographische Konventionen. Beispielsweise soll Ļ in einigen Sprachen wie ein L mit Cedille (¸) aussehen, in anderen dagegen wie ein L mit einem Komma darunter. Quivira hat jedes Zeichen nur in einer Variante, so daß für manche Sprachen andere Schriftarten passender erscheinen.
Ihr verarbeitendes Programm muß nicht unbedingt Unicode unterstützen, damit Sie Quivira verwenden können, aber in einer nicht Unicode-fähigen Umgebung werden Sie höchstwahrscheinlich nicht alle Zeichen nutzen können.
Wenn Sie Quivira für ein Dokument verwenden und dieses verschicken, bedenken Sie, daß der Empfänger ebenfalls Quivira installiert haben muß, besonders wenn Sie Zeichen aus der Private Use Area verwenden. Sie können Quivira in ein PDF einbetten, die TTF-Datei mitschicken oder einen Link zur Download-Seite einfügen.
SMP-Zeichen
Das Universal Character Set (UCS) ist in 17 Ebenen (Planes) aufgeteilt, von denen jede 65.536 Codepoints enthält. Die erste und wichtigste ist die Basic Mulitilingual Plane (BMP, Plane 0), die von jedem Programm unterstützt wird, das überhaupt Unicode-fähig ist. Die anderen 16 Ebenen werden allerdings von vielen Programmen noch nicht unterstützt.
Quivira enthält einige Zeichen in der Supplemental Multilingual Plane (SMP, Plane 1), namentlich die Blöcke »Ancient Greek Numbers«, »Ancient Symbols«, »Lycian«, »Carian«, »Old Italic«, »Gothic«, »Lydian«, »Musical Symbols«, »Ancient Greek Musical Notation«, »Tai Xuan Jing Symbols«, »Mathematical Alphanumeric Symbols« und »Domino Tiles«. Ob diese korrekt angezeigt werden, als fehlende Zeichen oder sogar als jeweils zwei fehlende Zeichen, hängt sowohl vom Programm als auch vom Betriebssystem ab.
Beispielsweise zeigen Mozilla Firefox 3, Microsoft Word 2002 und Adobe Reader 8 (getestet unter Microsoft Windows XP) diese Zeichen alle richtig an. (Word bietet sie nicht in seinem Sonderzeichen-Dialog an, aber wenn sie aus einem anderen Programm hineinkopiert werden, verhalten sie sich wie alle anderen Zeichen auch.)
Als ersten Test betrachten Sie dieses Zeichen: 𝔔
- Wenn Sie ein großes Q im Fraktur-Stil sehen, wird es richtig angezeigt.
- Wenn Sie einen einzelnen Platzhalter sehen (meistens ein Rechteck), dann behandelt Ihr Browser es zwar korrekt, aber er hat keine Schriftart gefunden, die das Zeichen enthält. Nachdem Sie Quivira installiert und den Browser neu gestartet haben, sollte es funktionieren.
- Wenn Sie zwei Platzhalter sehen, unterstützt Ihr Browser keine SMP-Zeichen. Sie können allerdings trotzdem in anderen Programmen funktionieren.
Generell ist es schwierig vorherzusagen, wo diese Zeichen richtig angezeigt werden und wo nicht. Probieren Sie es im Zweifel einfach aus.
Kombinierende Zeichen
Quivira enthält einige kombinierende Zeichen, v.a. im Block “Combining Diacritical Marks”. Diese Zeichen sollen sich mit den jeweils vorangehenden verbinden, z.B. soll ein A, gefolgt von einem kombinierenden Akut-Akzent (´), wie Á aussehen und nicht wie A´. Das bedeutet, die kombinierenden Zeichen müssen sowohl horizontal als auch vertikal an den vorangehenden ausgerichtet werden. Es gibt viele solcher Beispiele, und sie kommen in zahlreichen Schriften vor, nicht nur im Lateinischen.
Allerdings enthält Quivira keine Anweisungen, wie diese zu platzieren sind. Die horizontale Ausrichtung könnte theoretisch durch Kerning realisiert werden (dies ist aber nicht der Fall, siehe Kerning), wogegen vertikale Ausrichtung im TrueType-Format gar nicht möglich ist. Zudem würde die horizontale Ausrichtung alleine keine zufriedenstellenden Ergebnisse liefern, da z.B. bei Zeichen wie i und j der Punkt entfernt werden müßte (was im TrueType-Format ebenfalls unmöglich ist).
Manche Programme zeigen solche Kombinationen, oder zumindest einen Teil davon, trotzdem richtig an. Beispielsweise platziert Microsoft Word2002 die hebräischen Diakritika korrekt, aber nicht die lateinischen. Manche Programme ersetzen auch bekannte Zeichenfolgenden durch entsprechende andere Zeichen, so daß es z.B. passieren kann, daß ein A mit Akut-Akzent richtig aussieht, ein F mit Akut-Akzent aber nicht (da es letzteres nicht vorgefertigt gibt).
In zukünftigen Versionen wird Quivira eventuell ins OpenType-Format konvertiert, wodurch diese Probleme gelöst werden könnten. (Ich habe bereits mit Rogier van Dalen’s OpenType compiler OTComp experimentiert – mit sehr guten Ergebnissen, aber leider gingen dabei die SMP-Zeichen kaputt.)
Kerning
Kerning, im Deutschen auch Unterschneidung, ist die Veränderung des Abstands zwischen zwei Zeichen. Beispielsweise werden T und e in »Te« üblicherweise näher aneinandergerückt als O und e in »Oe«, da der Abstand zwischen ihnen wegen ihrer Form größer wirkt. Zwei Zeichen, für die eine solche Abstandsänderung geregelt ist, werden Kerning-Paar genannt. Von diesen Kerning-Paaren können bis zu 10.000 in einer TrueType-Schriftart definiert werden.
Wegen dieser Einschränkung enthält Quivira in der aktuellen Version überhaupt kein Kerning. Auch wenn 10.000 Kerning-Paare sehr viele zu sein scheinen, reichen sie tatsächlich nicht einmal für die lateinische Schrift aus. Wenn eine Unicode-Schriftart mit der vollständigen lateinischen Schrift ein Kerning-Paar für T und e enthält, muß sie entsprechend auch Ţ, Ť, Ŧ, Ƭ, Ʈ, Ț, Ⱦ, Ṫ, Ṭ, Ṯ und Ṱ in Kombination mit è, é, ê, ë, ē, ĕ, ė, ę, ě, ȅ, ȇ, ɇ, ɘ, ə, ɚ, ḕ, ḗ, ḙ, ḛ, ḝ, ẹ, ẻ, ẽ, ế, ề, ể, ễ und ệ behandeln. Dieses eine Beispiel resultiert also bereits in 12 × 29 = 348 Kerning-Paaren. Dann kommen »Ta«, »To«, »Tu«, »Va«, »Ve«, »AV«, … und es gibt mehr als 200 kombinierende Diakritika, die für jeden vorangehenden Buchstaben ausgerichtet werden müßten. Nun erscheinen 10.000 Kerning-Paare nicht mehr so viele, und selbst 100.000 würden nicht ausreichen.
Zudem müßten Diakritika auch noch vertikal ausgerichtet werden, was im TrueType-Format gänzlich unmöglich ist.
Dieses Problem kann eventuell in Zukunft gelöst werden, indem Quivira ins OpenType-Format konvertiert wird, da dieses bessere Möglichkeiten für Kerning bietet (Zeichen können gruppiert werden, d.h. alle oben gezeigten Kombinationen von T- und e-förmigen Zeichen können mit einer einzigen Regel behandelt werden, und die Anzahl der Regeln ist nicht beschränkt). Solange Quivira aber als TrueType-Schriftart vorliegt, wird es kein Kerning geben.
Hinting
Hinting ist eine Technologie innerhalb des TrueType-Formats, die verwendet wird, um die Zeichen in das Pixelraster des Bildschirms einzupassen. Es handelt sich um eine Assembler-ähnliche Programmiersprache, und die Hinting-Anweisungen müssen für jedes einzelne Zeichen in jeder Schriftgröße erstellt werden (zumindest für kleinere Schriftgrößen). Es gibt Programme, die dies automatisch tun, aber alle Ergebnisse, die ich bisher erreichen konnte, waren schlechter lesbar als das ungehintete Original. Deswegen ist Quivira nicht gehintet.
Dadurch kann es passieren, daß Quivira auf dem Bildschirm unschärfer dargestellt wird als andere Schriftarten. Drucker sind davon nicht betroffen, da sie höhere Auflösungen haben als Bildschirme und Hinting deswegen ohnehin nicht verwenden.
Ob Quivira unscharf dargestellt wird, und wie stark der Effekt ist, hängt vom Betriebssystem und dem verarbeitenden Programm ab. Da allerdings Anti-Aliasing, Subpixel rendering und Auto-Hinting-Algorithmen immer besser und immer häufiger verwendet werden, verliert das Problem des fehlenden Hintings mit der Zeit immer mehr an Bedeutung.¹
Quivira ist in den meisten Programmen bei üblichen Schriftgrößen bereits gut lesbar, und ich habe nicht die Zeit, um die Hinting-Anweisungen für mehrere tausend Zeichen manuell zu erstellen. Das bedeutet, daß in absehbarer Zeit kein Hinting geplant ist, und daß Quivira wahrscheinlich niemals gehintet sein wird.
¹ Unter Microsoft Windows Vista sollte gar kein Unterschied mehr zu sehen sein, da Vista von Haus aus Microsofts Glättungsalgorithmus »ClearType« verwendet. Die neuen mit Vista mitgelieferten Schriftarten wie z.B. Calibri sind ebenfalls nicht mehr gehintet.

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