Quivira 3.2

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Warum für Web­sites HTML besser ist als Flash

Flash-Seiten haben gegen­über HTML-basierten Seiten eine ganze Reihe von Nach­teilen, sowohl für den Er­steller als auch für den Besucher.

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Warum sollte meine Website auf HTML basieren und nicht auf Flash?

So gut wie jedes Mal, wenn ich jemandem erzähle, daß ich Websites erstelle, werde ich gefragt, ob ich Flash kann. Die Antwort lautet Nein, und ich habe auch nicht vor, es in absehbarer Zeit zu lernen.

Einsatz des Flash-Formates

Dies hier soll keine Streit­schrift gegen das Flash-Format sein! Ganz im Gegen­teil halte ich Flash sogar für ein hervor­ragendes Format – nur eben nicht für Websites.

Flash ist ein aus­gezeichnetes Format für inter­aktive Videos. Es bietet tolle Möglich­keiten für be­eindruckende Grafiken und Ani­mationen, und ein Flash-Film kann nicht nur einfach ablaufen, sondern er kann auch auf Benutzer­eingaben wie z.B. Maus­bewegungen oder Tasten­druck re­agieren.

Aber eine Web­site ist kein inter­aktives Video, und für Web­sites gibt es ein viel besseres Format:

HTML

HTML wird oft als »die Sprache des Inter­net« bezeichnet. Und das auch zu Recht, denn HTML war, ist und bleibt nicht nur die am häufigsten verwendete, sondern auch die am besten geeignete Sprache zur Struk­turierung einer Web­site.

Im Gegen­satz zu Flash ist HTML ein ein­faches Text­format. Das bedeutet, man braucht über­haupt kein spezielles Programm, um eine HTML-Datei zu öffnen. HTML kann mit jedem beliebigen Text­editor gelesen und geschrieben werden – und das ist bereits der erste gravierende Vorteil gegen­über Flash, denn zur Erstellung eines Flash-Films ist wesentlich aufwendigere Software vonnöten.

HTML und Flash

HTML und Flash sind zwei völlig unter­schiedliche Dinge. Flash ist ein Format für inter­aktive Videos. Damit liegt der Fokus auto­matisch auf der Dar­stellung eines Films auf dem Bild­schirm, und beim Erstellen einer Flash-Datei beschäftigt man sich haupt­sächlich mit Farben, Effekten, Sound und Animationen.

Dagegen ist HTML eine Auszeichnungs­sprache für Text­dokumente. Hier steht der Text im Mittel­punkt, und HTML dient aus­schließlich dazu, ihn zu struk­turieren. Dazu dienen so­genannte Tags in spitzen Klammern. Beispiels­weise sind die Text­absätze auf dieser Seite hier in <p>-Tags ein­gefaßt (p wie paragraph = Text­absatz), womit definiert wird, wo ein Absatz anfängt und wo er aufhört.

Hinsicht­lich der Anzeige des Textes sagt HTML gar nichts aus (es sei denn, man verwendet einige Tags, die in früheren HTML-Versionen zu diesem Zweck eingeführt wurden, und von deren Benutzung heute aus­drücklich abgeraten wird). Für die Anzeige im Browser ist eine zusätzliche Sprache namens CSS zuständig.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was HTML für Web­sites so viel empfehlenswerter macht als Flash.

Was ist der Sinn einer Website?

Eine Website ist letzten Endes nichts anderes als ein mehr oder weniger einfaches Text­dokument bzw. mehrere davon, die mit­einander verlinkt sind. Leute haben Web­sites, um sich selbst, ihre Familien, Unter­nehmen, Vereine, Hobbies oder was auch immer zu präsen­tieren. Jede Website hat ein bestimmtes Thema (oder vielleicht auch mehrere), und ihr Zweck ist es, zu diesem Thema Informa­tionen bereit­zustellen. Diese Informa­tionen müssen strukturiert werden, damit man sie (mit Hilfe von CSS) adäquat dar­stellen kann (z.B. Über­schriften größer als normalen Text), aber auch aus anderen Gründen: Beispiels­weise gewichten Such­maschinen Über­schriften stärker als normalen Text.

Man sieht deutlich, daß hierfür eine Auszeichnungs­sprache benötigt wird (eben HTML), während ein Video-Format wie Flash diesen Zweck nicht erfüllen kann.

Nachteile von Flash-Websites

Flash-Websites schwächeln gegenüber Web­sites auf der Basis von HTML und CSS in einigen ganz entscheidenden Punkten:

Maschinen­lesbarkeit

HTML ist eine Sprache, die von Maschinen gelesen werden kann. Flash dagegen ist ein Video­format, und ein Video ist eine Folge von Bildern und Klängen. Mit Bild und Ton können Maschinen aber gar nichts anfangen (jedenfalls nicht ohne einen riesigen Aufwand, der sich im allgemeinen nicht lohnt).

»Na und? Meine Web­site ist für Menschen und nicht für Maschinen!«, denken Sie jetzt vielleicht. Aber die Menschen müssen Ihre Seite erst einmal finden, und dafür benutzen sie eine Such­maschine. Die Such­maschine wiederum zeigt Ihre Seite nur an, wenn sie darauf die Such­begriffe des aktuellen Benutzers gefunden hat. Und welche Such­begriffe hat sie gefunden, wenn Ihr Internet-Auftritt nur aus einem Video besteht? Genau: Gar keine!

Barriere­freiheit

Mit dem Begriff »Barrieren« wird im Web alles bezeichnet, was den Besuchern die Benutzung einer Website erschwert. Die gängigsten Barrieren sind:

Nicht zuletzt sollte man auch daran denken, daß manche Menschen nicht nur schlecht, sondern sogar überhaupt nicht sehen können. Für Blinde sind Bilder und Animationen voll­kommen wertlos, und nur der Text ist von Interesse, denn den kann der Computer vorlesen oder auf einer Braille-Zeile zum Abtasten ausgeben – wenn er es kann! Dazu muß er den Text nämlich lesen können, siehe den obigen Abschnitt »Maschinen­lesbar­keit«.

Natürlich ist eine in HTML geschriebene Website nicht auto­matisch barriere­frei. Auch mit HTML und CSS kann man mühelos winzige Schrift, schlechte Kontraste oder voll­kommen unlogische Strukturen definieren – es liegt in der Verant­wortung des Autors einer Web­site, auf solche Dinge zu achten. Trotzdem wirkt sich Flash auch an dieser Stelle nach­teilig aus:

Änderbarkeit

Es bedarf wohl keiner Erklärung, daß ein Text (HTML) leichter verändert werden kann als ein Video (Flash). Dazu kommt noch, daß HTML vom Server »on the fly«, d.h. erst zu dem Zeit­punkt, zu dem die Anfrage eines Benutzers kommt, generiert werden kann. (Das geht allerdings nicht mit HTML alleine, sondern bedarf einer server­seitigen Script­sprache wie z.B. PHP.) Und wenn man alle Informa­tionen zur Dar­stellung ordent­lich in eine externe CSS-Datei geschrieben hat und nicht direkt in die einzelnen Dokumente, kann man sogar die gesamte Optik der Website neu gestalten, ohne die HTML-Dateien verändern zu müssen.

Update 17.06.2009: Die Generierung von Flash durch server­seitige Scripte ist inzwischen auch möglich. Ebenso kann Flash auch nach­träglich mit dem Server kommu­nizieren und danach seine Inhalte ent­sprechend anpassen.

Dateigrößen

Es ist ebenso bekannt wie unmittelbar ein­leuchtend, daß ein Video deutlich mehr Speicher­platz benötigt als ein Text. Beim Abspeichern ist das heut­zutage kein Problem mehr, da die Fest­platten inzwischen groß genug sind, und da Flash-Videos im Vergleich zu anderen Video-Formaten auch verhältnis­mäßig wenig Speicher­platz verbrauchen. Vor dem Abspeichern muß die Seite aber erst einmal durch das Netz­werk über­tragen werden, und für Leute, die mit einem einfachen Modem unterwegs sind, kann das bei Flash ganz schön nervig werden.

Möglich­keit von Bookmarks und Links

Die meisten Benutzer verwenden die Bookmark-Funktion ihres Browsers (auch Favoriten oder Lese­zeichen genannt), um sich interessante Seiten für später zu merken. Im all­gemeinen interessieren sie sich dabei weniger für ein gesamtes Web-Projekt als viel­mehr für eine spezielle Unter­seite.

Bei HTML-Seiten ist das kein Problem. Jede einzelne Unter­seite steht in einer eigenen Datei und kann folglich mühelos einzeln in den Favoriten vermerkt oder von einer anderen Seite aus verlinkt werden (voraus­gesetzt, daß keine Frames verwendet werden, die die Unter­seite auf mehrere Dateien verteilen und damit das Bookmarken immens stören).

Bei Flash dagegen ist es üblich, das gesamte Projekt in eine einzige Datei zu packen – das Book­marken oder Verlinken von Unter­seiten ist damit nicht mehr möglich. Der Benutzer kann nur das Projekt als ganzes in seine Lese­zeichen einfügen und muß sich bei jedem Aufruf wieder von der Startseite aus »durch­klicken«.

Weitere Browser-Funktionen

Alle heutigen Browser können mit einer Web­seite mehr anstellen als sie nur anzu­zeigen. Als wichtigste weitere Funktionen seien hier nur Aus­drucken, Durch­suchen und Über­setzen genannt. Alle diese Funktionen sind mit HTML problemlos nutzbar, mit Flash aber im all­gemeinen überhaupt nicht.

Integrier­barkeit von Objekten

Es gibt Dinge, die man mit Text doch nicht ganz so gut vermitteln kann. Zahl­reiche Gegen­stände lassen sich mit Bildern oder Animationen viel einfacher und verständ­licher beschreiben als mit Worten, oder vielleicht findet man an mancher Stelle auch auf eher nüchternen Text­seiten mal eine kleine Ani­mation ganz nett. Für solche Zwecke ist HTML nicht geeignet, Flash aber sehr wohl.

Diesen Nach­teil gleicht HTML allerdings voll­ständig aus, indem es das Ein­binden von Objekten erlaubt. Ein Objekt kann dabei praktisch alles sein, unter anderem auch eine Flash-Datei. Das bedeutet, selbst wenn man an einigen Stellen seiner Webseite davon ausgeht, daß man hier nicht auf Flash verzichten kann oder will, ist das immer noch kein Grund, das gesamte Web-Projekt in Flash umzusetzen und dabei die ganzen bisher genannten Nachteile in Kauf zu nehmen.

Fazit

Für eine Website gibt es kein besseres Format als HTML, und alles, was sich mit HTML nicht direkt realisieren läßt, kann in einem anderen Format erstellt und als Objekt eingebunden werden. Flash kann für einzelne Anwendungen sinnvoll sein (z.B. für Spiele, schwenkbare 3D-Ansichten von Produkten, Lehrvideos, …), aber niemals für eine komplette Website.

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